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Heizkörper entlüften: so geht es richtig

Stand: · Rechtslage Deutschland

Gluckert die Heizung oder wird der Heizkörper nicht richtig warm, ist meist Luft im System. Dann dreht man das Thermostat höher, und die Heizkosten steigen; der Hersteller Buderus nennt bis zu 15 % Mehrverbrauch bei schlecht entlüfteten Anlagen. Entlüften dauert pro Heizkörper nur wenige Minuten und geht mit einem einfachen Vierkantschlüssel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wann: einmal im Jahr vor der Heizperiode, im Herbst, und immer wenn es gluckert oder ein Heizkörper ungleichmäßig warm wird.
  • Werkzeug: Entlüftungsschlüssel (Vierkant, meist 5 mm), ein Gefäß und ein Lappen.
  • Ablauf: Thermostate ganz auf, Umwälzpumpe aus und 30 bis 60 Minuten warten, Ventil öffnen, bis Wasser kommt, schließen, Druck prüfen.
  • Mieter: dürfen in der Regel selbst entlüften, sollten aber vorher mit Vermieter oder Hausverwaltung sprechen, weil danach oft Wasser nachgefüllt werden muss.

Woran Sie Luft im Heizkörper erkennen

  • Der Heizkörper gluckert, rauscht oder blubbert.
  • Er wird trotz aufgedrehtem Thermostat nicht oder nur teilweise warm, zum Beispiel unten warm und oben kalt.
  • Mehrere Heizkörper werden unterschiedlich warm.

Nicht jede Temperaturverteilung ist ein Problem: Heizkörper sind normalerweise oben wärmer als unten.

Anleitung: Heizkörper entlüften in 7 Schritten

  1. Heizung aufdrehen: Alle Thermostate ganz öffnen und die Heizkörper warm werden lassen.
  2. Umwälzpumpe ausschalten, wenn Sie Zugang zur Heizungsanlage haben, und 30 bis 60 Minuten warten, damit sich die Luft oben in den Heizkörpern sammelt. In der Mietwohnung mit Zentralheizung ist das meist nicht möglich; dann direkt mit Schritt 3 weitermachen.
  3. Vorbereiten: Gefäß unter das Entlüftungsventil halten, Lappen bereitlegen. Das Ventil sitzt meist oben seitlich am Heizkörper.
  4. Ventil öffnen: Den Schlüssel aufstecken und langsam eine Viertel- bis halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn drehen. Die Luft entweicht zischend. Vorsicht, es kann heißes Wasser spritzen.
  5. Schließen, sobald Wasser kommt: Tritt statt Luft gleichmäßig Wasser aus, das Ventil zügig wieder schließen, aber nicht mit Gewalt.
  6. Nächster Heizkörper: genauso verfahren, bis alle entlüftet sind.
  7. Pumpe wieder einschalten und Druck prüfen: Nach dem Entlüften fehlt Wasser im System. Den Druck am Manometer der Heizung kontrollieren (siehe unten).

Reihenfolge: Hier sind sich die Quellen nicht einig. Verbraucherzentrale, Buderus und Vaillant empfehlen, im Haus von unten nach oben vorzugehen; Viessmann rät, mit dem am höchsten gelegenen Heizkörper zu beginnen, weil sich dort die meiste Luft sammelt. In einer Wohnung auf einer Etage spielt das kaum eine Rolle.

Warm oder kalt? Die meisten Hersteller und die Verbraucherzentrale entlüften am warmen Heizkörper, weil sich die Luft dann besser löst. Vaillant empfiehlt dagegen, die Heizkörper vorher abkühlen zu lassen, um sich nicht an heißem Wasser zu verbrühen. Wer unsicher ist, wartet nach dem Abschalten der Pumpe etwas länger und arbeitet mit Handschuhen.

Kein passender Schlüssel? Zange oder Schraubenzieher können das Ventil rundreiben, sodass es sich nicht mehr richtig schließen lässt. Ein Entlüftungsschlüssel kostet nur wenige Euro.

Heizungsdruck prüfen und Wasser nachfüllen

Am Manometer der Heizung sehen Sie den Anlagendruck. Typische Werte im Einfamilienhaus liegen laut Buderus bei etwa 1,2 bis 1,8 bar, laut Viessmann meist bei 1 bis 2 bar; je höher das Gebäude, desto höher der nötige Druck. Den genauen Sollwert legt der Heizungsfachbetrieb fest, oft ist er auf dem Manometer markiert.

  • Selbst nachfüllen können Eigentümer über einen Füllschlauch am Füll- und Entleerungshahn. Buderus setzt dafür eine fachgerechte Einweisung voraus, Viessmann rät, es am besten dem Fachmann zu überlassen. Vorgeschrieben ist ein Systemtrenner zwischen Trinkwasser- und Heizungsnetz.
  • In Mietwohnungen und Mehrfamilienhäusern füllt der Hausmeister, die Hausverwaltung oder ein Fachbetrieb nach.

Immer wieder Luft? Dann zum Fachbetrieb

Müssen Sie mehrmals im Jahr entlüften, hat das meist eine Ursache: ein falsch eingestellter Vordruck oder eine defekte Membran im Ausdehnungsgefäß, undichte Stellen oder Luft, die beim Nachfüllen eingetragen wurde. Das Ausdehnungsgefäß darf nur der Fachbetrieb prüfen und einstellen. Wer die Heizung ohnehin warten lässt, kann bei der Gelegenheit einen hydraulischen Abgleich machen lassen; mehr dazu unter Energiekosten sparen.

Sonderfälle

  • Automatische Entlüfter: Es gibt Ventile mit selbsttätiger Entlüftung und an der Anlage sogenannte Mikroblasen-Abscheider. Der Einbau ist Sache eines Fachbetriebs.
  • Fußbodenheizung: Sie wird nicht mit dem Schlüssel entlüftet, sondern über den Heizkreisverteiler gespült; das ist aufwendiger und eine Aufgabe für die Fachkraft. In der Mietwohnung ist das nicht Sache der Mieter.
  • Heizkörper ohne Entlüftungsventil: Lassen Sie hier einen Fachbetrieb ran, statt Verschraubungen selbst zu lösen.

Was gilt für Mieter?

Der Vermieter muss die Wohnung und damit auch die Heizung in einem funktionsfähigen Zustand erhalten (§ 535 Abs. 1 BGB). Das Entlüften einzelner Heizkörper dürfen Mieter in der Regel selbst übernehmen; stimmen Sie sich trotzdem vorher mit Vermieter, Haustechnik oder Hausverwaltung ab, weil danach oft Wasser nachgefüllt werden muss. Reparaturen, das Nachfüllen in Mehrfamilienhäusern und die Fußbodenheizung sind Sache des Vermieters.

Bleibt die Wohnung trotzdem zu kalt, melden Sie den Mangel dem Vermieter unverzüglich; sonst können Sie für Folgeschäden haften (§ 536c BGB). Der Deutsche Mieterbund nennt als Richtwert 20 bis 22 °C von 6 bis 24 Uhr während der Heizperiode, die spätestens am 1. Oktober beginnt; erreicht die Heizung nur 16 bis 18 °C, ist eine Mietminderung von etwa 20 bis 30 % möglich. Wie Sie dabei vorgehen, steht unter Mietminderung.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man Heizkörper entlüften?

Einmal im Jahr vor der Heizperiode im Herbst, außerdem immer dann, wenn es gluckert oder ein Heizkörper nicht richtig warm wird.

Muss das Thermostat beim Entlüften auf oder zu sein?

Die meisten Hersteller und die Verbraucherzentrale empfehlen, die Thermostate ganz aufzudrehen. Vaillant rät nur für Mietwohnungen mit Zentralheizung, bei denen die Pumpe nicht abgeschaltet werden kann, die Thermostate zu schließen.

Welchen Schlüssel brauche ich?

Einen Entlüftungsschlüssel mit Vierkant, meist 5 mm. Er kostet wenige Euro im Baumarkt oder Onlinehandel.

In welcher Reihenfolge entlüftet man?

Verbraucherzentrale, Buderus und Vaillant empfehlen von unten nach oben, Viessmann beginnt oben. Wichtiger als die Reihenfolge ist, danach den Druck zu prüfen.

Wie hoch muss der Heizungsdruck sein?

Im Einfamilienhaus meist etwa 1 bis 2 bar, je nach Gebäudehöhe. Den Sollwert legt der Fachbetrieb fest.

Darf ich als Mieter die Heizung entlüften?

In der Regel ja. Sprechen Sie sich aber mit Vermieter oder Hausverwaltung ab, weil danach eventuell Wasser nachgefüllt werden muss.

Ähnliche Themen: Energiekosten sparen, Mietminderung, Nebenkostenabrechnung prüfen.

Quellen, abgerufen am 6. Oktober 2026: Verbraucherzentrale, Heizung: 10 einfache Tipps zum Heizkosten sparen (Stand 24.09.2026); co2online, Heizungsprobleme und Fußbodenheizung entlüften; Buderus, Heizung entlüften und Heizung Wasser nachfüllen; Viessmann, Heizung entlüften und Heizungswasser nachfüllen; Vaillant, Heizkörper entlüften (geändert 22.01.2021); Deutscher Mieterbund, Heizperiode gestartet (01.10.2026); §§ 535, 536, 536c BGB.

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